GESCHICHTE DES DORFES OBERASPHE

Gerhard Bieschke

 

Als Kelten auf dem Christenberg in der 2. Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts ein Macht-, Schutz- und Wirtschaftszentrum inmitten keltischer Kleinsiedlungen erbauten, erforschten und erkundeten sie die Umgebung und gaben den Flüssen und Bächen Namen.

So erhielt der Bach, der durch Oberasphe fließt, den Namen Asphe. Die sprachliche Urform dieser Namensgebung ist im heutigen Namen "Asphe" erhalten geblieben.

Henseling, ein bekannter Heimatforscher, deutete den Namen als "Eschenbach".

Um 200 vor Christi wurde das Oppidum auf dem Berg durch einen Großbrand völlig zerstört.

Es gibt Gründe zur Vermutung, daß Teile der keltischen Bevölkerung die zerstörte Burg und die städteähnliche Ansiedlung auf dem Christenberg verließen und sich in der Umgebung ansiedelten.

 

Um 100 vor Christi Geburt drangen die Chatten, ein germanischer Volksstamm, in das Wetschaftstal ein und unterwarfen dort die Bevölkerung, beherrschten sie und vermischten sich schließlich mit ihnen. Auf diesen Volksstamm "Chatten", so die Tradition, soll der Anfang der Geschichte Hessens zurückzuführen sein.

Kurz nach Christi Geburt entstanden an den Wasserläufen die ersten dauerhaften Siedlungen. Eine davon nur 2 bis 3 Höfe groß, entstand am Mittellauf der Asphe. Um die Namensgebung machte man sich keine besonderen Gedanken, man benutzte den Namen des Gewässers an dem der Weiler lag.

So entstand in einer siedlungsbegünstigenden Umgebung der Ort "Asphe".

Natürlich gibt es hierfür aus jener Zeit keine Urkunden und Beweise, aber Hinweise und Bekundungen anderer Art machen das sehr wahrscheinlich.

                                                         

Die Bauern in Asphe nutzten den fruchtbaren Boden, rodeten und schufen Ackerland. Ihre schwere Arbeit und alle Mühe lohnten sich. Sie brachten es, gemessen an damaligen Verhältnissen, zu Wohlstand.

Bald gab es um 500 bis 600 nach Christi Geburt für die herangewachsenen Söhne und Töchter des Ortes kein ausreichendes Land mehr.

Die Jugend suchte und fand am Oberlauf des Flusses Boden, der zum Siedeln und zur Schaffung von Weiden und Ackerflächen taugte.  Einige  ließen  sich  dort  nieder und nannten den neuen Ort "Oberasphe". Henseling bezeichnete diese neuen Orte als "Tochtersiedlungen".

 

So entstanden auch Oberrosphe, Oberamönau, später Oberndorf genannt.

Aber bis Oberasphe, die Tochtersiedlung, aus dem Schatten Asphes treten konnte und geschichtliche Bedeutung erlangte, war noch ein weiter Weg.

In dieser Zeit hatten die Ansiedlungen keine genauen Grenzen. Zwischen ihnen lag genügend ungerodetes Land. Wiesen und Äcker gehörten Ihnen gemeinsam. Der Etrag wurde gteilt. Das sollte sich schon bald ändern.

 

Um 500 kamen die Franken über den Rhein und drangen auch in den Burgwald ein. Die Bevölkerung wurde unterworfen.

Alles bisher Gewohnte wurde geändert und die bisherige Ordnung beseitigt.

Mehr und mehr setzten sich fränkische Rechts- und Machtverhältnisse durch.

Chlodwig, einer ihrer Gaufürsten, Christ geworden, machte sich zum König, nachdem er die Fürsten der anderen Gaue beseitigt hatte. Die frühere Volksversammlung ersetzte er durch einen Rat der Adligen und der hohen Geistlichkeit. Er hatte den Vorsitz.

 

Das Land, das er und später seine Nachfolger eroberten, wurde als persönliches Eigentum betrachtet. So geschah es auch im Burgwald. Teile davon wurden an die Adligen, die den Frankenkönigen zu Diensten waren, verschenkt oder als Lehen gegeben. So erhielten auch die Klöster Land und andere, die den Frankenkönigen dienten.

Eigentum bedeutete nicht nur Besitz von Land, sondern auch die absolute Gewalt über die Bevölkerung: Männer, Frauen und Kinder. Sie waren Leibeigene. Daneben gab es auch halbfreie und freie Bauern.

 

Allein die christliche Lehre schützte die Leibeigenen vor zu rüden Übergriffen.

Ein besonderes Kennzeichen fränkischer Verwaltung war von nun an das Abgaben- und Steuerwesen, das nach römischen Vorbild geordnet wurde. Mit den Franken kamen christliche Missionare in das Land.

 

Gestützt auf die fränkische Macht wurde missioniert und getauft. Das geschah lange vor Bonifatius, der 721 mit Zustimmung Karl Martells auf der Feste Amöneburg eintraf und die Kirche im römisch-katholischen Sinne auch hier im Burgwald straff ordnete.

Auch die Kirche, beschenkt von Adligen, erlangte ebenfalls erheblichen Grundbesitz im Burgwald mit den dazugehörigen dienstpflichtigen Bauern. Sie schuf sich eine Organisation und damit Bezirke, in denen sie als Grundherren Abgaben erhoben. Auch die Klöster besaßen bald in den Gemarkungen des Burgwaldes Besitzungen und wurden in jener Zeit mit immer mehr Land beschenkt, das sie von Adligen und anderen erhielten, die sich dafür Vorteile für Ihr Seelenheil erhofften.

Die Grundherren adliger und kirchlicher Art wechselten oft. Streitigkeiten wurden bald zur Regel.

Die  Frankisierung  des  Burgwaldes  schritt   immer   weiter  voran .  Hauptfeinde der Franken waren die Sachsen, der Burgwald war Grenzgebiet. Die Weinstraße wurde von Sachsen und Franken als Heerstraße benutzt.

 

Auf den Resten der Keltenburg errichteten die Franken ihre Kesterburg, eine starke Befestigung mit Toren und Türmen.

Im Festungsbereich wurde zunächst eine Kapelle aus Holz errichtet. Mönche unter der Leitung eines Erzpriesters auf der Amöneburg betreuten die Christen im weiten Rund.

 

Später im 8. und 9. Jahrhundert wurde dort eine Kirche aus Steinen erbaut. Sie war etwas größer als die heutige Martinskirche, die auf dem Christenberg am gleichen Platz steht. Sie war der älteste Kirchenbau aus Stein in Nord- und Mittelhessen.

Inzwischen wurden die Franken von den Karolingern gefhrt.

Wie sehr die Kesterburg als Schutz zur Abwehr der Sachsen notwendig war, sollte sich sehr bald zeigen.

 

Im Jahre 778, König Karl führte die Franken, kam es zu einer blutigen Schlacht. Die Sachsen hatten, weil Karl in Spanien weilte, einen Rachefeldzug bis zum Rhein unternommen. Da sie von der plötzlichen Rückkehr Karls hörten, kehrten sie durch Legenata (Lahntal) in ihre sächsische Heimat zurück. Die Schar der Franken erreichte sie an der Eder an einem Ort, der Lihesi (Laisa) genannt wird. Hier, nicht weit von Oberasphe, kam es zur Schlacht, wobei die Kesterburg, die bis dahin "stärkste Befestigungsanlage im deutschen Raum" (Gensen) als Operationsbasis gedient hat. Diese Kämpfe an der Eder waren für die Sachsen eine so verheerende Niederlage, daß ihre Kraft gebrochen war und ihre Furcht vor der fränkischen Macht ihnen jeden Schwung zum erfolgreichen Widerstand und zu Rachezügen in unserem Raum nahm.

 

Schon bald wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen durch Unterwerfungen und Verträge beendet.

Die Franken schoben ihre Befestigungsanlagen weiter vor. Damit war die Kesterburg bedeutungslos geworden und wurde von den fr„änkischen Truppen verlassen.

 

Da die Ortschaften sich mehr und mehr ausdehnten, wurde auch die kirchliche Organisation dieser Entwicklung angepaßt. Für die Bewohner des unteren Wetschaftstales wurde eine Kapelle in Wetter gebaut und ihr die Bewohner um Niederwetter bis nach Todenhausen zugeteilt. Alle übrigen Burgwaldbewohner blieben auch weiter kirchlich dem Erzbischof unterstellt.

Neben der Pfarrei gab es hier schon seit dem 9. Jahrhundert Amtsbezirke "Zent" genannt. Die Nachrichten darüber sind sehr spärlich.

 

Von W.Görich, der die Verhältnisse an der "Hohen Hardt" näher untersuchte, bekamen wir Hinweise. Asphe erstarkte und kam zu so hohem Ansehen, daß dieser Ort  Mittelpunkt  einer  Kleinzent ,  eines  Verwaltungsbezirkes   wurde ,  von   einem Adligen genutzt und geführt.

 

Obwohl große Schwierigkeiten bestehen, wegen fehlender Aufzeichnungen und Urkunden "chronikalisch" wie Görich sich ausdrückt, Genaueres festzulegen, gibt es eine Tatsache, die erwähnenswert ist und uns weiterhilft. Es ist das der wüst gewordene Herrenhof "Udenbühl", dessen befestigten Charakter man unschwer heute noch erkennen kann. Er geht wohl auf einen Konradiner Amtsgrafen im 9./10. Jahrhundert zurück, der hier im Bereich und somit auch in Oberasphe das Sagen hatte.

Udenbühl trägt den zweiten Leitnamen Udo dieser Familie. Ihr kleiner Herrensitz nach Art der Zeit hoch wie irgend möglich im Herrschaftsbereich erbaut, steht auch heute noch deutlich erkennbar auf einem Bühl, einem Hügel.

In vielen Schriften werden wir darauf hingewiesen, daß das eine Kemenate gewesen sei, das heißt, das Gebäude war feuersicher aus Steinen erbaut.

 

So erhält Görichs Vermutung, daß dort ein kleiner Gerichtsbezirk planmäßig der Vogtfamilie abgeteilt war, seine Stütze. Frohnhausen war Sitz und Vorort dieses kleinen adligen Gerichts in der Zent Asphe, das außer Oberasphe noch die heute wüsten Orte Buchborn und Udenbühl umfaßte und bis in die Neuzeit Bestand hatte.

 

Ein Ereignis sollte die Verhältnisse wesentlich verändern. Im Jahre 1070 schenkte Kaiser Heinrich IV. dem Erzbischof von Mainz den westlichen Burgwald.

Obwohl zu jener Zeit der Erzbischof hier kaum Fuß gefaßt hatte, trägt er schon Sorge für die Wiedergründung des Klosters Disibodenberg an der mittleren Nahe, also weit weg von hier. Diese Nachricht erhielten wir 1108, wobei auch Asphe zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.

 

Wichtig für den weiteren Gang der Ereignisse war das Wirken der Grafen von Wittgenstein-Battenberg. Sie erlangten die Grafenrechte an der oberen Eder und Lahn.

Wenn wir die Geschichte Oberasphes besser zu verstehen trachten, sollten wir der Entwicklung, die nun kurz angeführt wird, besondere Aufmerksamkeit schenken.

In vielen Schriften von Henseling, Görich, Becker und anderen werden wir wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß in den Konflikten um die Vorherrschaft von den relativ schwachen Battenbergern, um sich in den Auseinandersetzungen behaupten zu können, eine Schaukelpolitik betrieben wurde.

In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß das gisonische Grafengeschlecht, das von seiner Burg Hollende bei Treisbach seine Herrschaft über Oberhessen mit Marburg und Umland ausübte, im 12. Jahrhundert erlosch. Die Landgrafen von Thüringen wurden die Erben. Allerdings beanspruchte das Erzbistum Mainz die Lehenshoheit darüber.

 

Beide, die Landgrafen von Thüringen und das Erzbistum Mainz, strebten danach, ihre Territorien zu sichern und den Burgwald ganz in ihren Besitz einzugliedern.

Daraus ergaben sich Spannungen und Fehden, deren Auswirkungen die Bevölkerung der Dörfer und Ansiedlungen schmerzlich zu spüren bekamen und die Folgen der militärischen Übergriffe auf Häuser und Fluren hilflos auszuhalten hatten.

 

1121 erwarb das Erzbistum Mainz Amöneburg und damit wurde der Erzbischof Herr über die Kirche auf dem Christenberg. Dort war schon im 11.  Jahrhundert die alte steinerne Pfarrkirche abgetragen worden und an gleicher Stelle wurde mit dem Bau der etwas kleineren Martinskirche begonnen. Das Anwachsen der Bevölkerung im gesamten Bereich erforderte eine neue kirchliche Organisation. Die Martinskirche wurde Dekanatskirche im Archidiakonat von St. Stephan zu Mainz.

 

Vom Dekanat Kesterburg wurde bis zur Aufhebung auch die Pfarrei Frohnhausen betreut und gelenkt. Für kirchliche Streitfragen war beim Dekanat Kesterburg ein Sendgericht zuständig. Außerdem befand sich dort der Sitz des mainzischen Gerichts Münchhausen, zu dem die Orte Münchhausen, Schlagpfütze, Simtshausen und Wollmar gehörten und das unmittelbar an das Gericht Frohnhausen grenzte. Der Sitz des  weltlichen Gerichts wurde später in den Ort verlegt.

 

Der Dekanatsbereich Kesterburg entsprach so ziemlich der späteren Grafschaft Stiffe und umfaßte auch das obere Lahn- und Edergebiet. Die Grafen von Wittgenstein-Battenberg schwankten, wie schon erwähnt, wiederholt in ihren Entscheidungen. 1190 standen sie auf der Seite des Mainzer Erzbischofs. 1214 zeugen 3 Söhne der Grafen für den Landgrafen Hermann von Thüringen. 1215 zeugt einer von den dreien Werner II. für den Erzbischof von Mainz Siegfried II.

 

Die Verhältnisse um Oberasphe waren nun wohl so, daß der Ort von den Herrschaftszentren an der Eder stark bestimmt wurde und der Einfluß der Herrschaftsbereiche um Wetschaft und Lahn sich mehr und mehr abschwächte.

 

1228 kommt es zu erneuten Konflikten. Die Landgrafen schlossen in jenem Jahr ein Schutzbündnis  mit  den Grafen von Battenberg. Zuvor hatte Mainz 1223 schon Druck auf  die  Wittgensteiner  ausgeübt  und  zwang  1234  die  Grafen  von   Wittgenstein - Battenberg die Hälfte der Burg und Stadt Battenberg und der dazugehörigen Grafschaft an das Erzstift zu verkaufen. Das bedeutete auch das Anwachsen des Einflusses der Mainzer im Gericht Frohnhausen.

 

Erzbischof Ruthard von Mainz schenkte den Mönchen zu Disibodenberg alles Eigentum, welches Heinrich von Klingenberg in den beiden Dörfern Asphe und Frohnhausen bei der Abtei Wetter in Hessen besessen hatte. (Bayer, mittelalteriche Urkunden I 413, S. 474)

 

Das heißt, die dazugehörigen Höfe wurden zum Eigentum der Mönche mit allem Besitz, auch mit den Männern, Frauen und Kindern, die darauf lebten und arbeiteten. Über die Erträge der Bauern verfügten nunmehr die Mönche ebenso über die Zehnten und sonstigen Abgaben.

 

Wenn man die verwandtschaftlichen Beziehungen der Edlen von Klingenberg und die herrschaftlichen Verhältnisse durchforscht, stößt man darauf, so berichtete Görich, daß schon 979 der Herzog Otto von Schwaben, Enkel des Konradiner Herzogs Hermann einem fränkischen Adelsgeschlecht durch seinen Vetter König Otto II. das ehemals konradinische Reichslehen Liebrighausen, wüst in der Gemarkung Dodenau, für seine geistliche Stiftung Aschaffenburg erhielt. Die Burg Klingenburg liegt benachbart zum Stift Aschaffenburg. Das klingt kraus und verwirrend , wie die Besitzverhältnisse hier nun einmal waren. Der Hinweis, daß die Franken verdiente Edle und Adelige, die aus ihren Heimatgebieten stammten, bei Schenkungen und Zuwendungen im eroberten Raum bevorzugt bedachten, macht das verständlicher.

 

Zum Nonnenkloster in Frohnhausen.

Görich stellte fest, daß die Frauen aus der Klause bei Disibodenberg in Frohnhausen, fernab von ihrem Klösterchen, das um 1148 durch die Heilige Hildegard nach Bingerbrück verlegt ward, wohl mit der Hilfe des Erzbischofs, die Pfarrkirche von Frohnhausen errichtet haben.

 

Wir ersehen daraus, daß hinter den schwachen Klosterfrauen die Kraft einer fernen kirchlichen Macht stand, denn sonst wäre der Bau dieser für die Gegend außergewöhnlich repräsentativen Kirche nicht möglich gewesen. Die Nonnen haben zur Bewältigung der Aufgabe in einer von der dortigen Kirche beaufsichtigten Klausur in Frohnhausen sich lange Zeit aufgehalten, so kann man durchaus von einem Nonnenkloster dort sprechen. Daß ihr sonstiges Wirken dieser auf vielen Gebieten kundigen Frauen in der gesamten Gemeinde, also auch in Oberasphe, spürbar war und das besonders für kranke und alte Menschen war in damaliger Zeit eine Selbstverständlichkeit.

 

1223 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung Münchhausens im Zusammenhang mit einem Streit zwischen den erzbischoflichem Stuhl und den Grafen  von  Wittgenstein - Battenberg über den Besitz von Gütern in "Munichehusen". Die Güter hatten sich die Grafen gewaltsam angeeignet. Sie mußten bei dem Vergleich zurückerstattet werden.

 

1280 - 90 machte der Graf von Battenberg dem Erzbischof den Besitz des Gerichtes Münchhausen streitig, mußte aber schon 1291 endgültig darauf verzichten. 1296 verkaufte Graf Hermann von Battenberg dem Erzbischof seine Grafschaft zur Alleinherrschaft.

 

Weit waren die Wege der Oberaspher zu den Gottesdiensten, den Kindtaufen, den Beerdigungen und den Hochzeiten zur Pfarrkirche nach Frohnhausen und das bei jedem Wetter und bei jedem Wegezustand. Daneben kannte die alte Kirche noch viele andere Gottesdienste, die besucht werden wollten und deren Besuch von der katholischen Geistlichkeit gefordert wurden. So beschloß man, eine Kapelle im Ort zu bauen. Vom genauen Jahr des Baubeginns gibt es keine Kenntnisse. Fachleute vermuten nach Anzeichen in der hinteren Altarwand den Baubeginn im 13. Jahrhundert.

 

Die Bevölkerung half nach Kräften mit, das Kirchlein zu bauen, wobei sich sehr bald herausstellte, daß es zu klein geraten war und Vergrößerungen vorgenommen werden mußten. Schon um diese Zeit war Oberasphe aus der Situation einer Tochtersiedlung Asphes dank erfolgreicher landwirtschalftlicher Arbeit, Bautätigkeiten und durch das Anwachsen der Bevölkerung herausgetreten. 

 

1287 wird Asphe als villa Asphe inferior erwähnt und damit klar von villa Asphe superior unterschieden. Gemeint mit inferior ist, etwa vom hoch- gelegenen Battenberg her gesehen, die niedrigere Lage des einen Ortes und mit superior die höhere Lage am Fluß Asphe des anderen Ortes. Amtlich wird von nun an Niederasphe und Oberasphe in Aufzeichnungen und Urkunden gesondert benannt.

 

Im Lauf der Auseinandersetzung brachte der Landgraf Asphe und Wetter an sich. Dem Erzbischof blieben nur das Gericht Münchhausen und die Kesterburg.

 

Um seine Herrschaft zu stützen, erbaute Mainz 1250 die Burg Mellnau. Diese Machtposition über die dort wichtigen Straßenverbindungen richtete sich gegen den immer stärker werdenden Landgrafen und geschah auch, um die Verbindung mit dem Raum um die obere Eder zu halten. Das zahlte sich aus, denn schon 1263 konnte der Erzbischof die Hälfte der Stadt und Vogtei Wetter für sich retten. Von nun an hatte die Vogtei Wetter zwei Herren, den Erzbischof und den Landgrafen.

 

Gemeinsam übten sie alle Rechte aus. Die Einkünfte wurden geteilt. Beide hatten je einen Vogt, der Gebühren und Abgaben einsammelte. Der Vogt des Landgrafen saß in Wetter, der des Erzbischofs hatte seinen Sitz auf der Burg Mellnau. Beide konnten im Burgwald  frei  jagen  oder  einen  gemeinsamen  Förster  einsetzen .  Der  militärische Schutz war Sache des Erzbischofs. Er durfte zu diesem Zweck auf der Mellnau einen Amtmann einsetzen. Dieser Amtmann befehligte die Ritter. Amtmann war an diesem wichtigen Punkt bis 1300 Graf Widekind von Battenberg und danach dessen Burghauptmann Heinrich von Dersch.

        

Die kirchlichen Verhältnisse im Dekanat Kesterburg waren auch um 1400 unverändert. In einer Aufzählung der vielen Gemeinden, die zum Dekanat auf dem Christenberg gehörten, wurde auch Buchborn bei Frohnhausen genannt und natürlich auch Asphe superior (Oberasphe) und Asphe inferior (Niederasphe).

 

Bemerkenswert ist für uns, daß Buchborn in dieser Liste seinen Platz hat. Das Dorf muß wohl zu dieser Zeit keine geringe Stellung gehabt haben, sonst würde es nicht wie selbstverständlich genannt werden. Allerdings von diesem Zeitpunkt an, verliert sich die geschichtliche Spur Buchborns.

Für das Erlöschen eines Ortes gibt es viele Gründe. Der einfachste Grund ist der, daß der Ackerboden erschöpft und anderes Land, das man durch Rodungen erschließen konnte im Bereich nicht vorhanden war.

 

Es besteht auch ein Zusammenhang mit der um diese Zeit schon spürbaren Verselbständigung stärkerer Nachbarorte und den ständigen Gefahren im Bereich. So verließen die Bewohner, wie es in vielen Dörfern geschah, ihre Wohnstätten und suchten Zuflucht in den Nachbardörfern, hier also in Oberasphe und Frohnhausen. Die verlassenen Äcker, soweit brauchbar wurden von den neuen Wohnsitzen bearbeitet. Mauerreste der verlassenen Wohnstätten waren noch um 1900 vorhanden und deutlich sichtbar. Buchborn ist in Oberasphe bis heute nich vergessen und die wüste Stätte wird liebevoll "Bubonn" genannt.

 

Ab 1430 gehörten die Lehen des Gerichts Frohnhausen an der Hohen Hardt mit Buchborn, Udenbühl, Frohnhausen und Oberasphe als alleinige Gerichtsherren den Herren von Dersch . "Alleinig" bedeutet, daß das früher so nicht gewesen ist. Der Chronik der Derschfamilien entnehmen wir die Hinweise, daß als landgräfliche Lehnsträger des Gerichts zunächst die von Diedenhausen zu vermuten sind, die stammesverwandt mit denen von Biedenfeld sind. Ihre Erben im 14. Jahrhundert waren die von Frohnhausen.

 

Aber wir werden das nun gut verstehen, weil uns in dieser Schrift schon Teilherrschaften begegneten: Es folgten dann später als Gerichtsherren zu zwei Dritteln die von Hohenfels sowie zu einem Drittel die von Dersch. Genaue Daten und Unterlagen sind bisher trotz vieler Bemühungen nicht bekannt geworden. Da das Geschlecht von Dersch die alleinige Herrschaft über das Gericht 287 Jahre von 1430 bis zum Erlöschen des Geschlechts 1717 innehatte und damit die Menschen im Gericht geprägt hat, wollen wir uns ein wenig mit denen von Dersch beschäftigen.

Auch  sie  nahmen  ihre   Wohnung   und   Festung  auf  dem  Udenbühl .  Ein Galgen, drohendes Symbol ihrer Macht und des Gerichts, stand auf dem Berg am Feldweg Oberasphe - Battenberg. Ein Grundstück in der Nähe trägt noch heute den Flurnamen Galgenacker.

 

Die von Dersch besaßen auch das Patronatsrecht über die Kirche zu Frohnhausen. Damit hatten sie das Vorschlagsrecht über die Besetzung des Kirchenamtes und die Pflicht, die Baulasten zu tragen. Wie das Verhältnis zwischen Pfarrer und Patronatsherr war, ersehen wir aus einem Auszug aus dem ältesten Kirchenbuch der Pfarrei Frohnhausen, mitgeteilt von Heinrich Dersch, Wohratal.

 

Ein Pfarrer berichtet dort von seiner Berufung nach Frohnhausen: "Im Jahre 1654, den 30. Januar, bin ich von dem Hochwohlgeborenen gestrengen Junker Rab Alhard von Dersch zu einem Pfarrer nach hier aus der Grafschaft Waldeck berufen worden." Er berichtet dann weiter kurz von seiner Amtseinführung: Wenn man sich diese Unterwerfungsformel eines Pfarrers, also einer Persönlichkeit, im Umgang mit den Patronatsherren Dersch noch einmal vorstellt, wie mag da der Umgang des hohen Herren mit den Bauern und den einfachen Leuten wohl gewesen sein? Das war nicht nur oben und unten, sondern hoch oben und ganz unten. Es war ein absolutes Gehorsamsverhältnis! Die Gerichtsschreibung spricht ein hartes Urteil über dieses Geschlecht. Es sei zielbewußt und skrupellos gewesen und wäre auch vor einem Mord nicht zurückgeschreckt.

 

Das trifft für einige Mitglieder des Geschlechts durchaus zu, jedoch dieses Urteil auf die Gesamtheit aller Angehörigen der sehr verzweigten Adelsfamilie von Dersch anzuwenden ist nicht zutreffend und gehört zu den Ungerechtigkeiten, die man wiederholt in der Geschichtsschreibung antrifft.

 

Die Landgrafen  von Hessen errangen gegen die Mainzer in Kämpfen und Auseinandersetzungen weit entfernt von hier immer größerer Erfolge. Ihre Machtfülle wurde ständig größer. Der Erzbischof geriet mehr und mehr in finanzielle Abhängigkeit von den Hessen, so daß er 1464 gezwungen war, Battenberg, Rosenthal sowie Mellnau und die Hälfte von Wetter an Hessen zu verpfänden.

 

Da das Erzbistum auch in der Zukunft die Pfänder nicht einlösen konnte, waren die genannten Gebiete 1583 endgültig für Mainz verloren. Die Landgrafen von Hessen hatten sich nun im Burgwald und in der Grafschaft Battenberg durchgesetzt!

 

Schon um diese Zeit hatten die Dörfer feste Formen angenommen. Die Äcker wurden gegeneinander abgegrenzt und die Gemarkungsgrenzen genau markiert. Oft gab es Streit über die Festlegung und amtliche Grenzbegänge waren notwendig. So schon um 1500. Dort wird uns von einem amtlichen Grenzbegang berichtet. Die Grenze zwischen dem landgräflichen Rottzehnten und dem großen Feldzehnten zu Wollmar auf der Breite war streitig geworden. Der damalige Rentmeister  zu Battenberg  sorgte für die Festlegung der Grenzen. Dabei waren auch neben dem Ortsältesten von Wollmar der alte Theis Freiling, Hans Zissel und Kunz Heiner von Oberasphe. Übrigens 1583 mußte diese Grenze nochmals von einer Kommission geprüft werden.

 

Beim Vornamen Theis, heute ungebräuchlich, handelt es sich um eine Kurzform des Vornamens Matthäus. Henseling, der eine Arbeit über die Hessischen Freilinge geschrieben hat, berichtete uns, daß plötzlich ab 1500 an verschieden Orten zwischen Frankenberg und Marburg bäuerliche Familien namens Friling, auch Freyling und Freiling geschrieben auftauchten.

"Es kann angenommen werden", so Henseling, "daß es die Nachkommen eines Zweiges der Frankenberger Frilinge sind, die spätestens am Ende des 15. Jahrhunderts auf das Land abgewandert sind." Theis Freiling, den wir erwähnten, sowie seine Söhne Peter und Martin Freiling waren 1527 bis 1583 Ortsälteste in Oberasphe und hatten ein Gut aus dem Stift Wetter zu Lehen.

 

Zu dieser Zeit hatten die Macht, das Ansehen und der Reichtum der alten Kirche ihren Höhepunkt schon überschritten. Überall zeigten sich Ärgernis erregende Verfallserscheinungen. Selbst päpstliche Legaten, die hier hergesandt wurden, um den Sittenverfall bei den Klerikern und in den Klöstern zu untersuchen, bemühten sich vergeblich, sich der Entwicklung entgegen zu stemmen. Hinzu kam, daß Martin Luthers Gedanken und Lehren bekannt wurden. So richtete sich die Kritik mehr und mehr gegen die hierarchische Ordnung der alten Kirche und ihr klägliches Versagen in der Heiligenverehrung und ihre Verstrickung in weltliche Geschäfte.

 

Auch der Landgraf stellte sich auf die Seite Luthers. Immer mehr Adlige, Geistliche und viele Christen versagten der katholischen Kirche den Gehorsam.

 

Die Menschen hier schlossen sich den Protesten an. Mehr und mehr rückte dabei das Diesseits und seine Freuden und Möglichkeiten in den Vordergrund ihres Denkens und Handelns. Schon 1522 wurde das römisch-katholische Dekanat Münchhausen aufgegeben, die Klöster in Wetter und Wiesenfeld aufgelöst.

Die den Heiligen geweihten Altäre, Wandbemalungen und Statuen in den Kirchen zerstört, Wegekreuze und Kleinaltäre weggeräumt.

 

Am 23. Januar 1527 erfolgte in unserem Gebiet die offizielle Einführung der Reformation.

Die Erziehung der Jugend, bis dahin ganz der Kirche anvertraut, wurde nun Sache des Staates. Ab 1526 sollten Schulen auch auf den Dörfern geschaffen werden. überall wurden für den Schuldienst geeignete Leute gesucht und angestellt. Die Bevölkerung wurde angewiesen, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Meistenfalls waren es Handwerker, die den Unterricht in ihren Handwerksstuben abhielten. Das Lesen und das Schreiben waren zunächst die Hauptlehrziele. Die Jugend sollte selbst in der Bibel lesen können und so  zu  mündigen   Christen   werden .   Nur   wer   es   sich   leisten konnte,  schickte seine Kinder dorthin und gab ihnen Lebensmittel, "Schulscheite" für den Schulofen und sonstige Gaben für den Lehrer mit.

 

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts fielen in den Dörfern des Burgwaldes, so auch in Oberasphe, viele Menschen ansteckenden Krankheiten, Pest genannt, zum Opfer. Im Jahre 1597 starben allein im Kirchspiel Münchhausen 560 Menschen, wie eine Anschrift am Chor der Christenbergkirche, die der damalige Pfarrer Mog dort anbringen ließ, bezeugt und die heute noch lesbar ist. Es wurde still in den Dörfern und manches Haus stand verlassen da, viele Äcker konnten nicht bestellt werden, so daß zu allem Leid noch eine Hungersnot kam.      

 

Und wieder besonders 1641 litten im 30-jährigen Krieg die Menschen im Burgwald. Kaiserliche Truppen, Franzosen und andere durchzogen das Land. Äcker wurden geplündert, Vorräte und Vieh geraubt, Häuser brannten und Menschen starben. Trauer, Wut und Angst bemächtigte sich der Bevölkerung.

 

Vielleicht können uns beim Ermessen der Leiden einige Zahlen helfen, die Ferdinand Specht in seiner Geschichte des Dorfes Oberasphes erwähnt. 1577 wurden in Oberasphe 35 Haushaltungen gezählt, 70 Jahre nach dem Friedensschluß waren es nur noch 26! Um den Verlust an Menschenleben durch Pest und Krieg noch besser zu verdeutlichen, muß man dazu bemerken, daß damals zu einem Haushalt eine Großfamilie mit mindestens 10 bis 12 Mitgliedern gehörte.

 

Zusätzlich gab es im Burgwald Spannungen und Unruhen, die während des Krieges ihren Anfang nahmen. Diese politischen Veränderungen und ihre Folgen sollten auch für das kleine Oberasphe schicksalhaft werden.

 

Als der Landgraf Philipp der Großmütige 1567 starb, bestimmte ein Testament, daß aus der Landgrafschaft vier Teilstaaten wurden. Damit war die Einheit, die er und seine Vorgänger so leidenschaftlich erstritten hatten, zerrissen. Philipps ältester Sohn Wilhelm erhielt Hessen-Kassel, etwa die Hälfte der bisherigen Grafschaft, sein jüngster Sohn Georg mit Hessen-Darmstadt ein Achtel. Die Erbteile der anderen beiden Söhne umfaßte Hessen-Marburg (ein Viertel) und Hessen-Rheinfels (ein Achtel).     

 

Nach dem Tode der zuletzt genannten beiden Söhne wurden ihre Gebiete auf Hessen - Kassel und Hessen-Darmstadt aufgeteilt. Um diese Aufteilung wurde heftig seit 1604 bis 1648 gestritten. Schon während des Krieges standen die beiden Hessen in verschiedenen Lagern sich feindselig gegenüber.

 

Das lutherische Darmstadt stand dauernd auf der Seite des katholischen Kaisers und der  Liga,  das  reformierte  Kassel  bei  den  Evangelischen, den Schweden und Franzosen .  Im   Rahmen  des  Friedensschlusses  1648  erhielt  Hessen-Darmstadt  in unserem Bereich die Ämter und Gerichte Battenberg, Biedenkopf, Rosenthal, Münchhausen und auch Frohnhausen mit Oberasphe. Münchhausen fiel aber schon 1650 an Hessen-Kassel zurück. Oberasphe aber wurde endgültig dem Amt Battenberg zugeteilt. Die Wünsche der Bevölkerung, dem Raum Wetter zugeordnet zu bleiben, wurden schon damals nicht beachtet.

 

Eine Ortsbeschreibung berichtet uns davon, daß die Kapelle in Oberasphe so unzulänglich und baufällig war, daß sie 1680 mit der Hilfe von alten Bauteilen neu errichtet wurde. Überhaupt muß es wohl eine Zeit gewesen sein, in der Oberasphe einen Aufschwung erlebte. Um 1700 entstanden dort prachtvolle Bauernhäuser. Das Fachwerk wurde aus kräftigen Hölzern errichtet. Zahnschnittformen an Schwelle und Rähm sowie Perlenschnurdekor auf den Füllhölzern wurden erwähnt.

 

Der Einfluß des Staates auf das Leben der Bürger auch in den Dörfern nahm mehr und mehr zu. Der Schulzwang, heute Schulpflicht genannt, wurde eingeführt. Ab 1710 mußten die Oberaspher Kinder die neu erbaute Schule in Frohnhausen besuchen. Die Schulaufsicht wurde durch Geistliche im Auftrag des Staates durchgeführt.

 

Im Jahre 1717 stirbt das Geschlecht von Dersch aus. Das Gerichtslehen fällt an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt zurück. Von dort wurden adlige Beamte eingesetzt, die das Gericht Frohnhausen noch einige Zeit weiterführen. Damit war die bisherige Einheit des Landes an der oberen Lahn und Eder endgültig zerrissen.

 

Für lange Zeit wurden harte Grenzen errichtet. Entlang der Grenze zwischen Oberasphe und Wollmar wurden große und schwere Grenzsteine gesetzt, die auf der einen Seite die Buchstaben HC für Hessen-Kassel und auf der anderen Seite HD für Hessen-Darmstadt tragen. Von diesen Steinen stehen auch heute noch entlang der gesamten Grenze zwischen den beiden Hessen verdeckt durch Gras und Buschwerk 36 Stück. Sie wurden nach und nach gesetzt. Die ältesten Steine tragen das Datum 1650, einer das Datum 1754.

Sie sind unersetzliche Zeugen der Geschichte und schützenswerte Rechtsdenkmale, da sie auch besitz- und steuerliche Grundlagen regelten.

 

Auch Zollstellen mit Schranken wurden zwischen den Gebieten erbaut. Hinweistafeln machten noch zusätzlich auf die Grenz- und Zahlstellen auf- merksam. Die Bezeichnung "Zollstock" in Oberasphe weist heute noch darauf hin. In Brungershausen an den Durchgangsstraßen von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt wurde neben der Zollstation dazu noch ein stattliches Zollhaus errichtet. Schmuggler benutzten Schleichwege, um die Zollbeamten hinters Licht zu führen. Selbst die Obrigkeit kannte die so genannten "Diebswege" und man versuchte sie zu überwachen.

 

Die Oberaspher mußten - ob sie wollten oder nicht - sich zur Eder hin orientieren. Sie waren von nun an de facto von Niederasphe, Münchhausen, Wetter und Marburg abgeschnitten und das für sehr lange Zeit.

Um einen Begriff vom Warenzoll zu bekommen ein paar Angaben, die Wilhelm Buchenauer in einer Chronik mitteilt. Für 1 Ztr. Weizen 4 gute Groschen Zoll, für einen Ochsen über 4 Ztr. 2 Taler und für 1 Ohm Bier 1 Taler und 12 gute Groschen.

 

Seit dieser Zeit gelten auch in Oberasphe Battenberger Maße und Gewichte. Trotz allem beseitigt überall neues Denken und ein Aufbruch in allen Bereichen überholte Rechtsverhältnisse und schafft bisher nicht dagewesene Formen des Zusammenlebens. Die Dörfer regeln und übernehmen selbst, wenn auch streng gelenkt und überwacht, ihr Zusammenleben und die Ausführung von Gesetzen in ihrem Bereich.

 

Als im 7jährigen Krieg (1756-1763) in der Zeit vom 26. bis 28. August 1759 die norddeutsche Armee von Frankenberg kommend mit etwa 20 000 Mann auf den Höhen bei Niederasphe zum ersten großen Gefecht gegen die Franzosen im Amt Wetter sich aufstellten, wurde auch Oberasphe davon berührt. Beim Kanonendonner erfaßte die Bewohner Angst und Furcht.

Am 11. November 1810 wurde die Leibeigenschaft und mit gewissen Einschränkungen auch die Fronherrschaft aufgehoben. Aber die Abgaben blieben bestehen. Erst ein Gesetz im Jahre 1832 ermöglichte die Ablösung von Zehntabgaben, Grundzins und Dienstleistungen. Die Abwicklung, die von den Bauern und ihren Erben vorgenommen werden mußte, dauerte, bis in die Neuzeit.

 

Als 1813 auf ihrem Rückzug von Moskau sich eine französische Einheit in dieser Gegend aufhielt, brach auch hier nach kurzer Dauer die Franzosenherrschaft zusammen. Die Truppe rastete im "Langen Grund" und hatte ihre Pferde in einem Waldstück abgestellt, das heute noch die Flurbezeichnung "Pferdestall" trägt. Von dort aus unternahmen sie kleine Raubzüge, um ihre Verpflegung zu verbessern. Am 12.02.1813 überfielen sie auch die Astemhle bei Wollmar und stahlen dort ein Schaf.

 

Einen weiteren erheblichen Schritt zur Selbstständigkeit machte Oberasphe 1816. Bis zu diesem Jahr wurden Oberasphes Tote auf der gemeinsamen Begräbnisstätte um die Kirche Frohnhausen bestattet. Oberasphe wurde gestattet, einen eigenen Friedhof anzulegen. Die Trauerzüge von den Trauerhäusern in Oberasphe nach genau festgelegter Ordnung auf dem Totenweg nach Frohnhausen hatten nun ein Ende.

 

Auch die Schulfrage wurde geregelt. Der lange Schulweg nach Frohnhausen bei jedem Wetter hatte ebenfalls ein Ende. Obwohl man den genauen Zeitpunkt eines Schulbetriebes in Oberasphe nicht kennt, ist vieles gewiß. Aus der Kirchenchronik von Frohnhausen erfahren wir, daß in Oberasphe ein altes Bauernhaus als Schule diente. Die Schülerzahl schwankte in den nächsten Jahrzehnten um die Zahl 50. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hat ein Lehrer Mog 10 Jahre  die  Schule  verwaltet und  das  mit einer Besoldung die ihn  dazu  zwang  einen  Nebenverdienst  auszuüben, wenn er und seine Familie nicht Hunger leiden sollten. 1840 wird in Oberasphe ein Lehrer Specht pensioniert.

 

Danach wurde die Schule von Lehramtskandidaten, die schon ein Lehrerseminar besucht hatten, versehen. Wenn diese Berufsanfänger ihr Ziel Lehrer zu sein, erreicht hatten, wurden sie an einen anderen Ort versetzt. Lehrer in jenen Jahren waren, Blöcker bis 1842, Büttner bis 1845, Landmesser bis 1846, Ohl bis 1848, Schmidt bis 1851 und Traunmüller bis 1857.

Auch jeder Laie sieht sofort, daß es sich nicht um solide Schulverhältnisse gehandelt hat. In den 17 Jahren gab es achtmal einen Lehrerwechsel. Fast alle 2 Jahre trat ein neuer Lehrer vor die Großklasse. Die Oberaspher Schule war bis 1857 eine bloße Ausbildungsschule.

 

Um 1821 entstehen überall im Lande Landkreise mit Landratsämtern.

Oberasphe wurde als Filialdorf von Frohnhausen dem Landratsamt Biedenkopf zugeteilt. Aus jener Zeit wurde durch Zufall in unseren Tagen ein Ortsschild von Michael Koch gefunden, das am Eingang des Dorfes stand.

Es trägt die Aufschrift: "Filialdorf Oberasphe, Kreis Biedenkopf, Landgericht Battenberg."

 

Praktisch sah das so aus, daß der Ortsschulte alle Oberasphe betreffenden Vorgänge dem Bürgermeister von Frohnhausen vortragen und auch alle Dokumente zur endgültigen Erledigung vorlegen mußte. Aus jener Zeit wird uns Bürgermeister Noll in Frohnhausen namentlich genannt, der Oberasphe mitverwaltete.

 

1848 war die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Obrigkeit so stark angewachsen, daß die Unruhe auch in den kleinen Gemeinden spürbar war.

1848 wollte das Volk in den Staaten Europas Freiheit und Gleichheit ohne Fürsten und Adel, Abschaffung der Bevormundung der Gemeinden durch Selbstverwaltung und Gemeindegesetze. Wenn auch die Revolution, von vielen so sehr gewünscht, ausblieb, gab es doch hier und da Aufstände.

 

Die Unruhen wurden auch bis nach Oberasphe und Frohnhausen getragen, wie Ferdinand Specht mitteilt: "Einige Holzhauer aus Oberasphe zogen nach Frohnhausen, um gemeinsam mit ihren Kollegen aus dem Nachbardorf dem "langen Förster" das zurückzuzahlen, was er Böses an ihnen getan hatte. Noch heute spricht man davon, daß man ihn aufhängen wollte."

 

Neben diesem besonderen Ereignis muß es auch sonst zu Zusammenrottungen mit heftigen Diskussionen gekommen sein, denn, wie die Kirchenchronik zu Frohnhausen berichtet, bekam daraufhin der Ort als Strafe militärische Einquartierung für mehrere Wochen.  

Wie und wann Oberasphe seine Selbständigkeit erlangte, ist aus keiner Schrift ersichtlich. Eine aus dem Ort, vom damaligen Bürgermeister Mathäus Dönges, als "Nachweisung" gekennzeichnete Schrift nennt uns nach 1848 die ersten Bürgermeister des Ortes: Es waren 1. Kaspar Wagner, 2. Reinhard Groß und 3. Johannes Ludwig. Von da an war das hier schon näher gekennzeichnete Ortsschild überflüssig und verschwand irgendwo.

 

Weitere Veränderungen im Dorf sind 1850 geschehen. Bis zu diesem Jahr befand sich "hinter der Bach" das Gemeindebrauhaus, wo sich die Bewohner den üblichen Bedarf an Bier und Getränken selbst brauen konnten. Gewerbsmäßige Brauereien in der Umgebung, die inzwischen sehr leistungsfähig geworden waren, übernahmen nun die Bedarfsdeckung. Das Brauhaus wurde abgebrochen und an der selben Stelle 1855 ein Gemeindebackhaus erbaut. Das geschah auf Befehl der Obrigkeit durch eine Brandschutzverordnung, um die Brandgefahr im Dorf, die durch das allwöchentliche Backen an vielen Feuerstellen im Ort verursacht wurde, einzuschränken.

 

Die oberste Brücke im Dorf sowie der Weg Frohnhausen - Oberasphe - Niederasphe sind 1857 und 1858 erbaut worden.

 

Die Schulchronik Oberasphe sieht das Jahr 1857 als entscheidend für eine stetige Schulentwicklung an. Lehrer Georg Stöcker, also ein vollausgebildeter Pädagoge, übernahm die Schulstelle. Niemand konnte damals erahnen, von welcher Bedeutung das für den Ort war. Ihm war es vergönnt, 46 Jahre lang bis zu seinem Tode 1904 "zum Segen der Gemeinde zu wirken". So steht es dort wortwörtlich. Als wahrer Lehrer wirkte er mit Erfolg nicht nur in der Schule, sondern nahm darüber hinaus tätig mitwirkend am Leben der Gemeinde teil.

 

In der großen Geschichte gab es 1866/67 entscheidende Veränderungen.

Das Engagement für die österreichische Seite im Krieg zwischen Preußen und der Donaumonarchie führte dazu, daß das Kurfürstentum Hessen - Kassel, das Herzogtum Nassau sowie die Stadt Frankfurt am Main von Preußen in Besitz genommen und 1867 zur Provinz Hessen - Nassau zusammengeschlossen wurde. Das Großherzogtum Hessen - Darmstadt hatte an den Sieger 3 Millionen Gulden zu zahlen und mußte darüber hinaus Gebietsverluste in Kauf nehmen.Hessen - Darmstadt verlor das gesamte Hinterland. So wurde auch Oberasphe preußisch.

Die Zollgrenzen zwischen Oberasphe und Niederasphe wurden beseitigt, dennn auch Wetter mit seinem gesamten Umland und Münchhausen gehörten nun zu Preußen. Doch die Verwaltungsgrenzen und die weit entfernten für Oberasphe zuständigen Verwaltungsorte und  die kirchlichen Grenzen blieben.

 

Leicht und viel zu schnell ließen sich die Menschen hier in den preußischen Staat eingliedern und damit 1871 in das Deutsche Reich. An dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 nahmen auch 2 Männer aus Oberasphe teil.   

Begeistert feierten die Menschen hier und auch  in  den  Schulen  alle  vaterländischen Gedenktage: An jedem 1. September im Jahr wurde der Schlacht 1870 bei Sedan und der Kapitulation Napoleons III. gedacht, an jedem 18. Januar wurde die Kaiserproklamation gefeiert, auch des Kaisers Geburtstag wurde feierlich begangen. 1896 begann die Geburtstagsfeier in der Schule in Oberasphe mit dem Lied: "Vater kröne du mit Segen unseren König und sein Haus!"

Aus den Mußpreußen wurden sehr bald treue preußische Untertanen.

 

Eine schwierige Aufgabe für den Chronisten ist es, schon wieder darauf hinzuweisen, daß allerlei Nöte die Menschen hier zu Außergewöhnlichem veranlaßten.

 

Nach dem erfolgreichen Freiheitskampf in den Vereinigten Staaten von Nordamerika setzte auch in den Orten eine starke Werbung zur Auswanderung ein. So wurden auch Oberaspher auf Antrag aus dem Staatsverband entlassen, um nach dorthin auszuwandern.

 

Ferdinand Specht berichtet in seiner Chronik, daß in Oberasphe fast aus jeder Familie mindestens eine Person nach Amerika oder Australien auswanderte. Als Reisegeld wurde meistens die Mitgift aus dem Elternhaus genommen. Dieses Geld mußte sehr oft von der Sparkasse in Battenberg ausgeliehen werden.

 

Wilhelm Schäfer hat uns den Brief eines Auswanderers vom 21. Mai 1887 aus Baltimore an seine Eltern und Geschwister gerichtet, zur Verfügung gestellt. Darin teilt Johannes Schäfer mit, daß sie zunächst nach Bremen mit der Bahn fuhren und später dann nach Bremerhaven.

 

Auf dem Schiff hatten sie sich, ohne es zunächst zu ahnen, einen ungünstigen Platz neben der Bordüche gewählt. So wurden sie während der Überfahrt vom Rauch des Küchenofens und von Essensdünsten belästigt. Hinzu kam das heftige Schaukeln des Schiffes, so daß ihre Kisten und Kasten hin und her rutschten. Sie waren froh, als sie endlich an Land waren. Aber das Allerwichtigste, was der Brief mitteilte, war, daß er bald eine gute Arbeit in der neuen Welt gefunden hatte. "Mir gefällt es sehr gut", schreibt er.

 

Ein Auswanderer muß es wohl in verhältnismäßig kurzer Zeit in Amerika zu Wohlstand gebracht haben. Ferdinand Specht berichtet, daß ein Bruder seines Großvaters 1889 zum Besuch in Oberasphe war. Er erzählte unter anderem, daß eine Tante mit einem Segelschiff 13 Wochen gebraucht hatte, um den Ozean zu überqueren.

 

Schon seit langem sannen auch in Oberasphe die Bauern darüber nach, wie sie die schwere Krise in der Landwirtschaft überstehen und wenden konnten.

Als erste im gesamten Bereich erfaßten die Oberaspher, welche  Möglichkeiten  ihnen die Gründung eines Spar- und Darlehensvereins boten. Sie schreckten auch nicht davor zurück, daß sie im Falle eines Mißgriffes und Mißerfolges mit ihrem gesamten Vermögen und Eigentum einzustehen hatten. Ihre Begeisterung war so groß, daß sie auch viele Frohnhäuseer veranlaßten, mit ihnen die Kasse zu gründen. Am 15. Juni 1888 kam es zur Gründung des Vereins. Münchhausen folgte erst ein Jahr später mit der Gründung eines Raiffeisen- und Darlehnskassenvereins. Da die meisten Frohnhäuser Bürger der Oberaspher Raiffeisenkasse beitraten, geschah dort die Gründung erst 1906.

 

Vorstand 1888 in Oberasphe waren Bürgermeister Matthias Dönges, 27 Jahre war er erster Vorsitzender der Kasse, ferner Lehrer Georg Stöcker, wir sehen daß dieser Lehrer festen Fuß in Oberasphe gefaßt hatte, weiter Johannes Koch und Johann Jost Feisel II. Rendant war der Landwirt Ludwig Schäfer. Er hat das Amt 35 Jahre wie alle anderen nebenamtlich geführt. In einem Rckblick lobten die Verbandsvorsteher in Frankfurt und später auch in Kassel die erfolgreiche Arbeit der Kasse in Oberasphe sehr.

 

Auch für Oberasphe war im gleichen Jahr 1888 die im Bau befindliche Eisenbahnstrecke Sarnau - Frankenberg von großer Wichtigkeit. Sie wurde in schnellem Tempo von ortsfremden Arbeitern im Wetschaftstal erbaut. Der Bahnhof Simtshausen mit Empfangsgebäude wurde hier wichtig. Als die Züge ab Februar 1890 rollten, benutzten besonders die Oberaspher diesen Bahnhof. 5,9 km beträgt die Entfernung, die zurückgelegt werden muß, um dort in den Zug einzusteigen.

Von nun an waren Städte und Dörfer schnell und bequem, wenn auch für die Armen verhältnismäßig teuer, zu erreichen. Die Vorteile für die Dorfbewohner, die der Eisenbahnbetrieb bot , hier, wenn auch kurz, aufführen zu wollen, würde Seiten füllen. Nur eines sei erwähnt, daß auch die Möglichkeiten in beruflicher Hinsicht sich dadurch erheblich verbesserten.

1890 bis 1900 reisten alljährlich, wie Specht berichtet,Oberaspher Bauernsöhne in das Siegerland  und verdienten dort bis zum Frühjahr Geld. Bald gab es viele Handwerker verschiedener Berufe im Dorf. Einige Stellmachereien fertigten Schubkarren und verschickten fast wöchentlich Leiterwagen voll davon mit der Eisenbahn.

 

1894 folgten viele Oberaspher freudig der Aufforderung Lehrer Stöckers, auch in Oberasphe einen Gesangverein zu gründen. Georg Stöcker war bis zu seinem Tode 1904 Chorleiter. Der Chor und seine Leistungen wurden von nun an Mittelpunkt des Dorflebens. Freud und Leid erhielten dadurch eine andere, größere Dimension.

 

Seit 1887 und dann fast fortlaufend bis in die Neuzeit wurden in der Schulchronik die Schülerzahlen in Oberasphe nach Konfessionen aufgeschlüsselt. Danach befanden sich in jenem Jahr 5 jüdische Kinder in der Schule, 1892 waren es 8 Kinder und 1895 befanden sich in der Oberklasse 5 Kinder und in der Unterklasse der Schule Oberasphe 3 Kinder mosaischen Glaubens. Es waren die Kinder jüdischer Mitbürger. Wir wissen nicht, seit wann sie sich in Oberasphe ansiedeln durften. Eines aber ist gewiß, die Juden mußten die Erlaubnis dazu bei den Behörden mit für sie hohen Summen erkaufen und hatten auch weiter, weil sie Juden waren, zusätzlich jährlich Judensteuern zu zahlen.

 

Sie waren arm, trieben Handel, besuchten die Viehmärkte, die regelmäßig z.B. in Münchhausen und Wiesenfeld abgehalten wurden oder zogen als Händler mit allerlei Waren in die Nachbardörfer. Einige betrieben dazu eine kleine Landwirtschaft. Acht jüdische Familien waren im Dorf. Ihre Hausnamen, so Specht, waren: Mousches, Laibs, Moses, Jehkobs, Grein, Salmes, Jules und Schloumes.

 

Die Familie Stern, Hausname Mousches, betrieb die Gastwirtschaft "Zum Stern." Die Wirtschaft wurde gut besucht. Die Oberaspher verlebten dort manch einen schönen Abend. Die Wirtsleute waren beliebt und wußten ihre Gäste gut zu unterhalten.

 

Die Juden arbeiteten fleißig wie andere Bürger auch. Ging jedoch am Freitagabend die Sonne unter, legten sie bis Samstag abend die Arbeit nieder und feierten ihren Sabbat, jiddisch Schabbes genannt. Sie besaßen die Achtung und Wertschätzung der Oberaspher, denn sonst wäre es nicht zu erklären, daß die Gemeinde ihnen gestattete, ein Bethaus, eine Synagoge, zu errichten.

 

Das war ihr Zentrum. In diesem Haus bewahrten sie ihre religiösen Gegenstände und in einem erhöhten hölzernen Schrein, zu dem man einige Stufen hinauf gehen mußte, ihre heiligen Schriften auf. Vielleicht waren in dieser Synagoge in Oberasphe sogar Thorarollen dabei.

 

Sie suchten und erhielten Unterstützung von der wesentlich stärkeren jüdischen Gemeinde in Wetter. Man kam zusammen und besuchte sich zu den Gottesdiensten. Man nimmt an, daß die jüdische Gemeinde in Wetter seit dem 14. Jahrhundert bestand und Synagoge und Friedhof besaß.

 

Von Bubenstreichen, die mit den Gottesdiensten in der Synagoge in Oberasphe in Zusammenhang standen, erzählte uns Ferdinand Specht: "Im Herbst hatten die Juden viele Feiertage. Sie sangen dann in ihrer Synagoge. Ich weiß, daß wir als Schulbuben an der Synagogentür den jüdischen Gesängen lauschten, und wenn uns dann der Übermut plagte, warfen wir mit Steinen gegen die Tür. Wir ergriffen dann schnellstens die Flucht, und wenn dann ein Jude heraus kam und uns mit den gröbsten Verwünschungen belegte, freuten wir uns in unseren Verstecken, als hätten wir eine Heldentat vollbracht. Die älteren Leute dagegen lebten mit den Juden in Frieden."

 

Die Sorge um ihre Toten ließen die Juden auch in Oberasphe darum bitten, einen Friedhof anlegen zu dürfen. Einige Jahrzehnte später wurde ihnen dies gestattet. Nach den damaligen Vorschriften wurde ihnen das nur  außerhalb  des  Dorfes  erlaubt.  Bis dahin wurden ihre Toten in Frohnhausen beerdigt.

Als erste wurde auf dem neuen Judenfriedhof in Oberasphe Sarah Stern, die am 16.01.1928 starb dort beigesetzt. Insgesamt gibt es dort 4 Gräber.

Nach jüdischer Auffassung wird jeder Verstorbene auf eigenem Grund beigesetzt. Die bewußt schmucklos gehaltenen Gräber dürfen nicht eingeebnet und aufgehoben werden. Das Recht der Toten auf ihre Ruhestätte besteht unaufhörlich. Die Gräber werden nicht gepflegt und eingesunkene Gräber nicht neu eingerichtet. Sie sollen Sinnbild der Vergänglichkeit alles Lebenden sein. (Gamm, Judentumskunde)

 

Sorgen um ihre Annahme und Duldung haben sich die Juden seit jeher machen müssen. Besonders beklommen aber waren sie, als sie Pfingsten 1886 von einem Antisemitenkongreß in Kassel hörten, an dem auch ihr ärgster Feind, der Bauernführer Otto Böckel aus Marburg, der damaligen Hochburg des hessischen Antisemitismus stammend, teilnahm.

 

Erst 1894 endete der öffentliche Antisemitismus, blieb aber latent bestehen. Wir hören an keiner Stelle, daß die Juden, eine kleine Minderheit in Oberasphe, zu jener Zeit unterdrückt oder bedrängt wurden.

 

Der Beginn der industriellen Revolution war auch auf den Dörfern spürbar. Es ging auch hier aufwärts. Die Regierung förderte die neuen Lebensweisen und den Umgang mit modernen Geräten auf dem Lande und setzte dazu in den Schulen besondere Lehrpersonen ein.

So lesen wir in der Schulchronik, daß 1887 die Industrielehrerin Elisabeth Briel aus Niederasphe verstarb. An ihre Stelle trat Katharina Alt aus Oberasphe. Das Gehalt für den Industrieunterricht betrug 45 Mark. Was immer das auch für ein Unterricht gewesen sein mag, es war ein Anfang im Neuen, besonders für die großen Mädchen im Entlaßjahrgang.

 

Selbst beim nun einsetzenden industriellen Aufschwung in den Ballungzentren des Kaiserreichs und der Kleinindustrie an der Lahn, wo auch Oberaspher Arbeit finden konnten, da diese Arbeitsstätten durchaus mit dem Fahrrad erreicht werden konnten, waren Befehl, Gehorsam und Unterordnung die wichtigsten Kennzeichen jener Zeit. Die Erziehung dazu und zu den anderen preußischen Tugenden begann in der Schule.

 

Aus dem Schulalltag wird heute noch ein Strafbuch für die Schule zu Ober-Asphe, Kirchspiel Frohnhausen bei Battenberg, Kreis Biedenkopf aufbewahrt. Interresant ist die Schreibweise des Ortes zu jener Zeit. Übrigens auf einer Karte, in Nürnberg 1761 gedruckt, findet sich ebenfalls eine ähnliche Schreibweise für Niederasphe "Nid. Asphe" und für Oberasphe "Ob. Asphe".

Ein Eintrag in diesem Buch, bei dem volle Namen aus begreiflichen Gründen weggelassen wurden, mag das beweisen:

Nr. 1) 13. August 1889, Elisabeth......, Vater Heinrich......, Schneider

Art der Vergehung: Unaufmerksamkeit

Art der Züchtigung: Erhielt einige Schläge mit der Hand auf die Schulter.

 

Wir ersehen daraus: Die Bewohner Oberasphes waren Untertanen. Ihre Kinder wurden auch bei kleinen Vergehen in der Schule geschlagen.

 

Da die räumlichen Schulverhältnisse im alten Gebäude sich mehr und mehr verschlechterten, beschloß man, eine neue Schule zu bauen. In den nun zu klein gewordenen Schulräumen wurden 1892 - 67 Kinder, 59 evangelisch und 8 jüdisch, unterrichtet. Lehrer Stöcker drängte auch auf einen Neubau. Es gelang ihm, die Obrigkeit dafür zu interressieren. dazu wurden Pläne gemacht, die von allem bisher Gewesenen abwichen.

 

Am 2. Mai 1892 wurde ein Gebäude in Angriff genommen, das bewußt im Gegensatz zu den traditionellen Dorfbauten stand. Das neue Schulgebäude sollte auch, wie es der Autor eines Artikels über Schulbauten in der damaligen Zeit ausdrückte "visuelles Symbol staatlicher Macht auf dem Dorf" sein. 1893 stand der Rohbau und im Frühling des Jahres begann man mit dem Innenausbau, der Ende September beendet war. Die Einweihung fand am 16. Oktober 1893 statt.

 

Natürlich mußte die Gemeinde dazu erhebliche finanzielle Hilfen und Dienstleistungen erbringen. Ob das wohl immer ohne zu murren geschah? Das alte Schulhaus wurde an Hermann Specht für 2850 Mark verkauft.

 

Im Jahre 1904 starb Lehrer Georg Stöcker. 46 Jahre hatte er erfolgreich für die Schule und die Gemeinde gearbeitet. Bedrückt von finanzieller Not verbrachte er seine letzten Tage. Jedoch ein halbes Jahr vor seinem Tod wurde er von höchster Stelle geehrt. Der Kaiser verlieh ihm den Adler des Königlichen Hausordens von Hohenzollern. Kein anderer Lehrer im weiten Bereich hat zu jener Zeit eine so hohe Auszeichnung erhalten. 

 

1908 wird im Dorf die unterste Brücke nebst Weg gebaut. Um diese Zeit (1895) hatte der Ort 337 Einwohner.

 

Schon um 1913, früher als in anderen Dörfern, wurde, von der Jugend freudig begrüßt, in Oberasphe ein Sportverein gegründet. Sein Name damals war: "Turnverein Germania Oberasphe".

An höchster Stelle wurden solche Turnvereine nicht gern gesehen, denn man sah darin Keimzellen des Widerstandes gegen den Obrigkeitsstaat. Auch die Alten im Dorf konnten sich zunächst nicht damit anfreunden und waren erst viel später auf die Leistung des Sportvereins stolz.

1914, am 28.Juni, wurde in Sarajevo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand, und  seine  Gemahlin  erschossen,  Der  Attentäter  stand  im  Dienst  einer serbischen Untergrundbewegung, die auf dem Balkan ein Großserbisches Reich schaffen wollte.  

Es kam zum 1. Weltkrieg. Am 1. August erfolgte die allgemeine Mobilmachung in Deutschland.

 

Nach einer sehr persönlich gehaltenen Chronik in Oberasphe wurde die Mobilmachung hier erst am 2. August bekannt. Der Chronist kommentierte das Ereignis treffend in einem einzigen Satz: "Die Mobilmachung wurde auf Grund der geheimen Kriegsvorrichtungen der Verbündeten England, Frankreich, Belgien, Rußland, und Serbien erklärt".

 

In diesem Satz wurden die Gründe, die zum 1. Weltkrieg führten, kurz genannt. Die Historiker in aller Welt haben nach 1918 aus den verschiedensten Gründen Jahrzehnte gebraucht, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Allerdings spricht man auch von deutscher Mitschuld. Die uralte Freundschaft zwischen Rußland und Serbien hat die Zeiten überdauert, sie besteht heute noch und erschwert die Friedensbemühungen in Restjugoslawien.

Bürgermeister in Oberasphe war zu jener Zeit Ferdinand Hallenberger.

 

Zehn junge Oberaspher verloren ihr Leben im 1. Weltkrieg. Auch Juden wurden als deutsche Staatsbürger selbstverständlich zum Kriegsdienst eingezogen. Unter anderem kämpfte der Jude Gustav Hess aus Oberasphe im 1. Weltkrieg für Deutschland. Er wurde schwer verwundet und verlor ein Bein.

 

Nach der Revolution von 1918 gab es für alle Brger entscheidende Veränderungen im Landkreis Biedenkopf. Das preußische Dreiklassenwahlrecht wurde beseitigt. Die Kreisselbstverwaltung wurde demokratisiert. Die Bürger erhalten von nun an echte Chancen zur Mitbestimmung. Die geistliche Schulaufsicht wurde aufgehoben.Seitdem gibt es auch in Oberasphe ein von der Kirche unabhängiges pädagogisches Leben.

 

1920 wurde auch Oberasphe an die Überlandleitung der Elektrizitätswerke angeschlossen. In den Häusern erstrahlte elektrisches Licht! Die Lichtnot hatte ein Ende. Fettlichter und Petroleumlampen kamen auf die Regale.

In der Notzeit nach dem 1. Weltkrieg, verschärft durch die hohen Reparationskosten, die an die Siegermächte gezahlt werden mußten, stellte die Reichsregierung Überlegungen an, Kosten einzusparen. 1932 beschloß man, im gesamten Reich 58 Landkreise aufzulösen. So sollten kostspielige Verwaltungen eingespart werden.

 

Auch der Landkreis Biedenkopf wurde aufgelöst und mit dem Landkreis Dill zum Landkreis Dillenburg zusamengeschlossen. Die 15 Gemeinden, die zum Amt Battenberg gehörten, also auch Oberasphe, wurden in den Landkreis Frankenberg eingegliedert.

Es gab erheblichen Widerstand. Schon 1933 wurde der Großkreis Dillenburg wieder aufgelöst und am 01.10.33 erhielt der Kreis Biedenkopf seine Selbständigkeit zurück.

Allerdings die Gemeinden des ehemaligen Amtes Battenberg blieben beim Kreis Frankenberg. Im Hinterland hagelte es Proteste!

 

Oberasphe, Battenberg, Laisa und andere forderten den Anschluß an den Kreis Marburg, den sie seit dem Zwangsanschluß von 1717 erstrebten. Leider waren alle Bemühungen vergeblich. Oberasphe wurde am 1. Oktober 1932 mit 337 Einwohnern und 613,7 ha Fläche dem Kreise Frankenberg "einverleibt", wie man sich damals ausdrückte!

 

Als 1932 erneut der Antisemitismus dieses Mal als Teil des Programmes der NSDAP weit aggresiver als bisher im Lande spürbar wurde, ging bei den jüdischen Mitbürgern in Oberasphe wieder die Angst um. Ängstlich beobachteten sie die Zeichen der Zeit: In Marburg beherrschte die SA die Straßen. Schon am 5. April 1932 wehte die erste Hakenkreuzfahne auf dem Schloßturm. Viele dachten ans Auswandern.

 

1934 wurde in Oberasphe die Wasserleitung gebaut. Die Zeit des Wasserholens an den Brunnen war vorüber.

 

Die NS-Zeit machte sich in Oberasphe in besonderer Weise in der Schule bemerkbar. Die Schulleitung hatte Lehrer Buchenauer. Buchenauer voll durchdrungen von nationalsozialistischem Gedankengut einschließlich der menschenverachtenden nazistischen Haltung, richtete danach auch die Schule aus.

 

Aus der Schulchronik erfahren wir, daß zu der Zeit die Arbeit in der Schule "ganz in dem Geschehen der großen Politik des Führers stand".  

Buchenauer notierte am 20. September 1938: "Die Schülerzahl betrug 42" und nun wörtlich: "Darunter waren allerdings noch 5 Juden, die zum Glück im Herbst des Jahres durch Verfügung des Herrn Ministers aus der deutschen Schule verschwanden!"

 

Es verschwand auch die kleine Judenschar aus Oberasphe; irgendwann bei Nacht und Nebel aus den Häusern geholt und in die Konzentrationslager abtransportiert. Alles wurde in NS - Manier streng geheim und ohne Aufsehen erledigt. Man sprach in der Öffentlichkeit nicht darüber und man fragte nicht, denn das war lebensgefährlich!  

 

Die Synagoge, Wohnungen und Häuser der Juden waren leer. Doch ihr Friedhof am Ortsrand ist geblieben. Er ist der Gemeinde zum Schutz und zur Pflege im Sinne des mosaischen Glaubens für alle Zeit anvertraut.

 

Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 trat Buchenauer aus dem Schuldienst   aus   und   trat   in   Frankfurt   am   Main  in  den  Dienst  der Geheimen Staatspolizei, der gefürchteten und berüchtigten Gestapo. Und noch eine Besonderheit mußte Oberasphe 1939 erleben. Weit vor dem 3. September 1939, der Kriegserklärung Englands und Frankreichs an Deutschland, legte die Wehrmacht im Vorfeld des Westwalles an der französichen Grenze Minen. Der Einsatz dieser Minen setzte natürlich voraus, daß das Gebiet von den dort lebenden Deutschen verlassen werden mußte.

 

Viele Familien wurden umgesiedelt. Ein Teil davon, im Nazijargon "rückgewanderte Deutsche" genannt, aus der Nähe von Saarburg wurden in Oberasphe untergebracht. Viele wurden in den Familien aufgenommen. 18 Personen kamen in das zuvor geräumte Judenhaus Stern.

 

Über die Zustände im Kriegsjahr 1943 in Oberasphe erfahren wir Wesentliches aus der Schulchronik: "Das Jahr 1943 war ein sehr unruhiges Jahr. Es war ein dauerndes Kommen und Gehen. Viele flüchteten vor dem Bombenterror hier auf dem Land, blieben einige Monate und suchten sich dann einen anderen Unterschlupf. Es kamen Kinder und Erwachsene aus folgenden Städten: Duisburg, Gelsenkirchen, Solingen, Berlin, aus der Eifel, aus Westfalen!

Ganz schwierig gestaltete sich die Lage in der Schule, als am 24. Oktober der große Terrorangriff die "Gauhauptstadt Kassel" fast völlig vernichtete. Da kamen sehr viele Kinder mit ihren Müttern aus Kassel an. Jedes Haus hatte eine Familie."

 

Am 29. März 1945 erreichten, von Niederasphe kommend, die ersten amerikanischen Panzer den Burgwald. Die Bevölkerung in den Dörfern hißten weiße Fahnen.

Die NS-Träume von einem Großdeutschland waren gescheitert und das Reich brach total zusammen.

 

Die Menschen standen völlig unter dem Eindruck des furchtbaren Geschens und der Scham über die aufgedeckten unfaßbaren Naziverbrechen. Die allermeisten Bürger erfuhren von diesen streng geheim gehaltenen Vorgängen erst jetzt.

 

Groß waren die Verluste an Menschenleben. 17 junge Oberaspher kehrten aus dem Krieg nicht mehr in ihr Heimatdorf zurück. Die gesamte Familie Katten, Hausname Jehkobs, ist in einem Lager umgekommen. Auch die Familie Stern, Hausname Mousches, kam ebenfalls in einem Lager um.

 

Unter denen, die heimkehrten, war auch eine jüdische Familie aus Oberasphe.

Sie wurde aus der Haft in einem Konzentrationslager der SS von den Siegermächten befreit. Es war die Familie Hess mit Hausnamen Schloumes. Familie Hess kam am Anfang des Krieges in ein Lager:Salomon, Gustav, Sarah, Inge, Werner und Alfred Hess. 1945 kam die Familie bis auf Großvater Salomon und den Sohn Alfred aus dem Lager   Theresienstadt   nach   Oberasphe   zurück .  Man   hatte   diese   Familie  vom schlimmsten verschont, da Gustav Hess im 1. Weltkrieg für Deutschland kämpfte  und dabei ein Bein verlor. Als sie angekommen waren, konnten sie nicht in ihr Haus, es war von Flüchtlingen bewohnt. Nachdem diese das Haus geräumt hatten, so berichtet Frau Anna Rabe, wurde es renoviert und sie konnten es wieder bewohnen. In der Zwischenzeit wohnten sie bei Nachbarn. Sie sind 1947 oder 1948 nach Amerika zu ihrer Tochter Ilse ausgewandert, Ilse war schon 1939 nach den USA emigriert.

 

Hinzu kam in dieser Zeit noch die Not mit den Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten. Der erste Transport kam am 8. Februar 1946 in Marburg an, er wurde weitergeleitet und erreichte am 9. Februar die Auffangbahnhöfe Cölbe, Münchhausen und Simtshausen.

 

Am 12. Februar 1946 wurden die Familien dort mit Fuhrwerken abgeholt und auf die Dörfer verteilt. Die Einwohnerzahl Oberasphes erhöhte sich durch den Zuzug auf 499!

 

Rolf Messerschmidt schreibt in seinem Buch Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis Marburg - Biedenkopf : "Was die räumliche Unterbringung betrifft, so waren die Flüchtlinge und Vertriebenen in Einzelquartieren, n„ämlich privaten Haushalten oder Zimmern untergebracht, kurzfristig ein Teil davon in Sälen oder Gastwirtschaften. Da die Flüchtlinge überwiegend aus Frauen, Kindern sowie alten und kranken Leuten bestanden, wurde die Hoffnung aus den Reihen der Flüchtlinge zusätzliche Arbeitskräfte zu gewinnen, in den meisten Fällen enttäuscht. Flüchtlinge und Einheimische glaubten lange Zeit daran, daß das nur vorläufig sei. Die Flüchtlinge glaubten, daß sie wieder in ihre alte Heimat zurück könnten."

 

Eine große Aktion zur Eingliederung 1947/48 war die Gartenlandverteilung und die Beschaffung von Siedlungsland. Die Flüchtlinge nutzten dies vorbildlich. Natürlich gab es nur Kleinsiedlerstellen. Die einheimische Bevölkerung gab dazu Hilfestellung.

 

Aus der Bilddokumentation des oben näher bezeichneten Buches sei besonders auf ein Bild hingewiesen. Es zeigt das erste von Flüchtlingen erstellte Einfamilienhaus in Oberasphe. Früher hatte es als Jagdhütte gedient und war nach dem Abbruch vom Vertriebenen Hans Georg Steiner in Selbst - und Nachbarschaftshilfe wieder aufgestellt worden. Allmählich wurden aus den Flüchtlingen Neubürger.

 

1958 wird festgestellt: " Unter den jetzt 28 Schulkindern sind nur noch 3 Kinder von Heimatvertriebenen aus Ungarn. Die Abwanderung hält an. Oberasphe bietet keine Arbeitsmöglichkeiten und ist außerdem verkehrsmäßig so ungünstig wie nur denkbar gelegen." Die Einwohnerzahl war inzwischen seit 1946 von rund 500 auf 343 im Jahre 1960 gesunken.

 

Die Regierung des Landes Hessen unternahm große Anstrengungen, die Lebensqualität in den Dörfern zu steigern, um weitere Abwanderungen zu verhindern.

So kommt es zum Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Oberasphe. Karl Hallenberger war zu jener Zeit Bürgermeister. Neben der Hilfe des Staates leisteten viele Gemeindemitglieder Arbeits- und Gespannstunden. Am 5. September 1959 war die Einweihung.

 

1962 wurde erneut festgestellt, daß die Kirche in Oberasphe zu klein für die auf 347 Einwohner angewachsene Gemeinde ist. Sie wurde auf die Abmessungen 8,75 x 10,64 Metern erweitert. Außerdem wurde das Kirchengebäude gehoben und in seiner Grundstellung versetzt, um mehr Raum zwischen Kirche und Bürgerhaus zu schaffen. Am 26. April 1964 wurde die erneuerte Kirche in Oberasphe eingeweiht.

1974 gab es eine erneute Verwaltungsreform, die nun "Gebietsreform" genannt wurde. Diese Reform ging in ihren Einzelheiten viel weiter als alles, was auf diesem Gebiet schon dagewesen war. Oberasphe sollte nach den Plänen als ein Stadtteil von Battenberg dem neuen Landkreis Waldeck - Frankenberg zugeordnet werden. Und wieder protestierten die Oberaspher! Sie wollten wie schon seit Jahrhunderten ihre Vorfahren zum Raum Marburg.

 

Sie "kämpften", anders kann man es nicht ausdrücken, mit allen demokratischen Mitteln. Sie scheuten keine Konflikte mit den ungeliebten Verwaltungen in Battenberg und Frankenberg und sie setzten sich durch. Dieses Mal setzten sich auch viele Persönlichkeiten aus dem Wetschafts- und Marburger Raum dafür ein. Der Vorgang erzeugte landesweit Aufsehen. Die Reaktionen waren so heftig, daß alle Beteiligten und die Dorfbewohner die Ereignisse auch heute noch immer wieder leidenschaftlich  diskutieren.

Um diese kritische Zeit hatte Heinz Gerike die Schulleitung. Auch er half mit, das Ziel zu erreichen.

 

Seit dem 1. Juli 1974 wurde aus den Orten Münchhausen, Wollmar, Simtshausen, Niederasphe und nach den schweren kommunalpolitischen Ausseindersetzungen auch Oberasphe die Großgemeinde Münchhausen am Christenberg gebildet. Oberasphe verlor wie auch die anderen genannten Gemeinden seine Selbständigkeit.

 

In den Orten wurden Ortsbeiräte gebildet und ein Ortsvorsteher gewählt. So geschah es auch in Oberasphe. Der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde war Michael Koch. Er wurde nach der Gebietsreform Ortsvorsteher. Zur Zeit ist Gerhard Hallenberger Ortsvorsteher.

 

Am 1. März 1975 wurde Wilfried Carle hauptamtlicher Bürgermeister der Großgemeinde. Von Anfang an hat Carle Oberasphe in seine Pläne zum Aus- und Weiterbau öffentlicher Einrichtungen im Dorf erfolgreich miteinbezogen. Kirchlich blieb es bei den alten Verhältnissen, Oberasphe wird auch weiterhin von der Kirchengemeinde Frohnhausen betreut. Die Kirchen sind, was Gebietsreformen anbetrifft, typisch konservativ. Ihr Motto: "Wir wollen erst einmal sehen, ob sich die Reform bewährt!"  

Oberasphe, von der Geschichte gerüttelt und geschüttelt wie kein anderer Ort in unserem Bereich, hat seinen festen ihm gebührenden Platz errungen.

Welchen Weg Oberasphe durch die Geschichte auch weiter nehmen mag, eines ist schon jetzt sicher: Das Dorf bleibt ein Schutzraum für alle, die dort leben und für alle, die in ferner Zukunft dort ihre Heimat haben werden.

 

 

Der Verfasser dankt den Mitbürgern in Oberasphe, die durch Überlassnung von Schriften, Urkunden Dokumenten zur Erstellung dieser geschichtlichen Arbeit einen Beitrag geleistet haben. Dabei wird ein besonderer Dank Herrn Horst Wagner, Herrn Wilhelm Schäfer, Frau Luise Gerike und den Verantwortlichen für die graphische Gestaltung ausgesprochen.

  

Anmerkung: Am 1. März 1999 wurde Peter Funk Bürgermeister der Großgemeinde.